KVT-E Youth
Zusammenfassung
Die Binge-Eating-Störung (BES) ist eine der häufigsten Essstörungen bei Jugendlichen, jungen Erwachsenen und Erwachsenen. Sie ist gekennzeichnet durch wiederkehrende Episoden, in denen innerhalb eines begrenzten Zeitraums (zum Beispiel innerhalb von zwei Stunden) objektiv grosse Nahrungsmengen gegessen werden. Betroffene erleben während dieser Episoden einen Kontrollverlust und können nicht aufhören zu essen. Dieser empfundene Kontrollverlust geht häufig mit starken Schuld- und Schamgefühlen sowie einem negativen Körperbild einher. Mit der Zeit kann die BES zu einem Anstieg des Body-Mass-Index (BMI) führen, was weitere körperliche und psychische Folgen haben kann. Für die Diagnose einer BES nach international anerkannten Diagnosesystemen müssen Essanfälle über einen Zeitraum von drei Monaten durchschnittlich mindestens einmal pro Woche auftreten. Bei Jugendlichen zeigen sich Vorstufen der BES häufig in Form von Loss-of-Control-Eating (LOC), bei dem die verzehrte Nahrungsmenge variiert und nicht immer objektiv gross ist. Studien zeigen, dass die Belastung und die psychischen Folgen von LOC mit denen einer vollständigen BES vergleichbar sind.
Verwendungszweck
KVT-E ist ein strukturiertes Trainingsprogramm, das den Teilnehmenden hilft, ihr Essverhalten Schritt für Schritt zu verstehen und zu steuern.
Informationen für Fachpersonen
KVT-E unterstützt Fachpersonen der psychischen Gesundheit bei der Durchführung eines Trainings, das Patientinnen und Patienten hilft, Binge-Eating-Symptome zu bewältigen – sei es zur Prävention psychischer Störungen, zur Vorbereitung auf eine störungsspezifische Therapie oder zur Verstärkung der Wirkung bestehender Behandlungen von Ess- oder Angststörungen.
Eckdaten
Altersgruppe: ab 14 Jahren
Sprachen: Deutsch (Schweiz), Französisch (Schweiz)
Aufbau: 1 Einführungssitzung, 6 Therapiesitzungen, 2 Booster-Sitzungen
Screener: Emotion Regulation Weekly Questionnaire (EWQ), Patient Health Questionnaire (PHQ-4), Working Alliance Inventory (WAI) Online
Allgemeine Inhaltsstruktur und Automatisierungen
Kapitel: Die Intervention ist als strukturierter Lernpfad aufgebaut. Jede Sitzung wird der Reihe nach freigeschaltet und führt die Patienten Schritt für Schritt durch ihren therapeutischen Weg. Der Fortschritt bestimmt den Zugang – ist eine Sitzung abgeschlossen, wird die nächste verfügbar. So entsteht ein klarer und motivierender Rhythmus.
Übungen: Verknüpfte Übungen werden automatisch freigeschaltet, sobald die Patienten vorankommen. Diese praktischen Aktivitäten sind direkt mit den Sitzungsinhalten verbunden und helfen, das Gelernte in den Alltag zu übertragen und den Fortschritt zwischen den Terminen zu festigen.
Erinnerungen: Integrierte zeitbasierte Erinnerungen helfen den Teilnehmenden, dranzubleiben. Benachrichtigungen können dazu auffordern, Sitzungen fortzusetzen, Übungen abzuschliessen oder über den Fortschritt nachzudenken – für regelmässiges Engagement, ohne zu überfordern.
Zusammen schaffen diese smarten Funktionen einen personalisierten, kontinuierlichen Ablauf, der Struktur mit Flexibilität verbindet – für eine Therapie, die wirklich in Bewegung bleibt.
Kapitel
Kapitel 1: Willkommen in der KVT-E-Behandlung
Kapitel 2: Motivation und ausgewogene Ernährung
Kapitel 3: Ziele setzen und das ABC-Modell kennenlernen
Kapitel 4: Essanfälle und das Modell des «Teufelskreises» verstehen
Kapitel 5: Heisshunger und Essdrang – mit dem ABC-Modell und der Notfallkarte
Kapitel 6: Umgang mit künftigen Schwierigkeiten und Abschlusssitzung
Übungen
Übung 1: Selbstbeobachtungsprotokoll
Übung 2: Einen Essensplan erstellen
Übung 3: Das ABC-Modell erarbeiten und Auslöser für Essanfälle erkennen
Übung 4: Skala der Zielerreichung
Übung 5: Notfallkarten
Übung 6: Dysfunktionale Gedanken
Autoren
Prof. Dr. phil. Simone Munsch – Forscherin und Psychotherapeutin, Professorin für Klinische Psychologie und Psychotherapie am Departement für Psychologie der Universität Freiburg, Schweiz.
Prof. Dr. phil. Nadine Messerli-Bürgy – Forscherin und Psychotherapeutin, Professorin für Klinische Kinder- und Jugendpsychologie am Institut für Psychologie der Universität Lausanne, Schweiz.
Wissenschaftliche Referenzen
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