INTER-E Youth
Zusammenfassung
Psychische Erkrankungen nehmen nicht nur weltweit, sondern auch in der Schweiz zu. Emotionsregulation – also die Fähigkeit, mit kurz- und langfristigen negativen Gefühlen (Emotionen) wie Frust, Wut, Traurigkeit, Stress und Angst umzugehen – spielt eine wichtige Rolle bei der Entstehung und Aufrechterhaltung psychischer Erkrankungen. Zum Konzept der Emotionsregulation gehört die Fähigkeit, Gefühle bei sich selbst und bei anderen zu erkennen und sie im Kontext der Situation richtig zu deuten.
Die Fähigkeit, kurz- und langfristig belastende Gefühle auszuhalten – man spricht von Emotionstoleranz –, spielt bei vielen psychischen Erkrankungen eine besonders wichtige Rolle. Diese Schritte sind Voraussetzung für Prozesse wie die Analyse der Gründe für Gefühle, die man bei sich oder anderen erlebt. Wenn Gefühle richtig erkannt, benannt und ausgehalten werden können, liefert die Analyse ihrer Ursachen Hinweise darauf, wie man sinnvoll mit ihnen umgehen bzw. die erlebten Gefühle tatsächlich regulieren kann.
Bei einer günstigen (funktionalen) Emotionsregulation nimmt die psychische Belastung mit der Zeit ab, wenn es der Person gelingt, neben dem kurzfristigen Aushalten negativer Gefühle weitere günstige Strategien anzuwenden – etwa auf unüberlegte Handlungen zu verzichten, die erlebten Gefühle mit der Realität abzugleichen und die Bewältigbarkeit der Situation ausgewogen einzuschätzen. Die Forschung zu depressiven Störungen, Essstörungen, Angststörungen und der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung hat beispielsweise gezeigt, dass der Einsatz dysfunktionaler (ungünstiger) Strategien der Emotionsregulation (wie Gefühle nicht zuzulassen oder zu vermeiden, Grübeln oder Selbstsabotage) die psychische Belastung erhöht, was zur Entstehung und Aufrechterhaltung psychischer Belastungen oder Erkrankungen beitragen kann.
Verwendungszweck
INTER-E unterstützt Fachpersonen bei der Durchführung von Trainings zum Umgang mit belastenden Gefühlen – um psychischen Erkrankungen vorzubeugen, auf eine störungsspezifische Behandlung vorzubereiten oder die Wirksamkeit einer störungsspezifischen Behandlung zu erhöhen, etwa bei depressiven Störungen, Essstörungen oder Angststörungen.
Informationen für Fachpersonen
INTER-E unterstützt Fachpersonen bei der Durchführung von Trainings zum Umgang mit belastenden Gefühlen – um psychischen Erkrankungen vorzubeugen, auf eine störungsspezifische Behandlung vorzubereiten oder die Wirksamkeit einer störungsspezifischen Behandlung zu erhöhen, etwa bei depressiven Störungen, Essstörungen oder Angststörungen.
Eckdaten
Altersgruppe: ab 14 Jahren
Sprachen: Deutsch (Schweiz), Französisch (Schweiz)
Dauer: 6–12 Wochen
Aufbau: 2 Einführungssitzungen, 6 Therapiesitzungen
Screener: Emotionregulation Weekly Questionnaire (EWQ), Patient Health Questionnaire (PHQ-4), Working Alliance Inventory (WAI)
Allgemeine Inhaltsstruktur und Automatisierungen
Kapitel: Die Intervention ist als strukturierter Lernpfad aufgebaut. Jede Sitzung wird der Reihe nach freigeschaltet und führt die Patienten Schritt für Schritt durch ihren therapeutischen Weg. Der Fortschritt bestimmt den Zugang – ist eine Sitzung abgeschlossen, wird die nächste verfügbar. So entsteht ein klarer und motivierender Rhythmus.
Übungen: Verknüpfte Übungen werden automatisch freigeschaltet, sobald die Patienten vorankommen. Diese praktischen Aktivitäten sind direkt mit den Sitzungsinhalten verbunden und helfen, das Gelernte in den Alltag zu übertragen und den Fortschritt zwischen den Terminen zu festigen.
Erinnerungen: Integrierte zeitbasierte Erinnerungen helfen den Teilnehmenden, dranzubleiben. Benachrichtigungen können dazu auffordern, Sitzungen fortzusetzen, Übungen abzuschliessen oder über den Fortschritt nachzudenken – für regelmässiges Engagement, ohne zu überfordern.
Zusammen schaffen diese smarten Funktionen einen personalisierten, kontinuierlichen Ablauf, der Struktur mit Flexibilität verbindet – für eine Therapie, die wirklich in Bewegung bleibt.
Kapitel
Kapitel 0.1: Willkommen in der INTER-E-Behandlung
Kapitel 1: Gefühle und Emotionen besser verstehen
Kapitel 2: Gefühle im Körper spüren
Kapitel 3: Emotionen annehmen und aushalten
Kapitel 4: Sich selbst besser unterstützen
Kapitel 5: Sich weniger schaden
Kapitel 6: Die richtigen Schlüsse ziehen
Übungen
Übung 1: Das Emotionsmodell
Übung 2: Muskel- und Atementspannung
Übung 3: Emotionen wahrnehmen und aushalten
Übung 4.1: Selbstfürsorge-Tagebuch
Übung 4.2: Selbstunterstützende Gedanken
Übung 5.1: Weniger grübeln
Übung 5.2: Gefühle weniger unterdrücken
Übung 5.3: Gefühle angemessen ansprechen
Übung 6: Die richtigen Schlüsse ziehen
Autoren
Prof. Dr. phil. Simone Munsch – Forscherin und Psychotherapeutin, Professorin für Klinische Psychologie und Psychotherapie am Departement für Psychologie der Universität Freiburg, Schweiz.
Prof. Dr. phil. Nadine Messerli-Bürgy – Forscherin und Psychotherapeutin, Professorin für Klinische Kinder- und Jugendpsychologie am Institut für Psychologie der Universität Lausanne, Schweiz.
Wissenschaftliche Referenzen
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Munsch, S., Forrer, F., Naas, A., Müller, V., Rubo, M., Hannoun, F., & Mugellini, E. (2021). Correlates of interpersonal emotion regulation problems in loss of Control Eating (loc) in youth: Study protocol of the combined online and app based questionnaire, laboratory and randomized controlled online intervention I-beat trial. BMC Psychology, 9(1). https://doi.org/10.1186/s40359-021-00690-8
Herrero R, Vara MD, Miragall M, Botella C, García-Palacios A, Riper H, Kleiboer A, Baños RM. Working Alliance Inventory for Online Interventions-Short Form (WAI-TECH-SF): The Role of the Therapeutic Alliance between Patient and Online Program in Therapeutic Outcomes. Int J Environ Res Public Health. 2020 Aug 25;17(17):6169. doi: 10.3390/ijerph17176169.
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